Warum übersetzen die Menschen? Das ist die Sehnsucht
nach etwas, was sich immer wieder entzieht, nach

dem unerreichten Original; nach dem

Letzten und dem Eigentlichen.

Swetlana Geier





Leseprobe 


aus: Bond über Bond von Sir Roger Moore (Knesebeck, 2012)

 

Bond über die Schauplätze


Hoch die Tassen!

Der Bottoms Up Club, auf den wir ebenfalls in Kowloon stießen, liegt inmitten des Einkaufsviertels Tsimshatsui mit seinen unzähligen Neonreklameschildern. Das Anwesen von Bösewicht Hai Fat befand sich im Dragon Garden in der Castle Peak Road am Castle Peak. Nach meinem Besuch dort ging es weiter nach Bangkok, wo wir in den darauffolgenden Wochen im verzweigten Netz der verschmutzten Kanäle, das die Stadt durchzieht, unter anderem eine Verfolgungsjagd auf Booten drehten.

Dabei ermahnte man uns, um Himmels Willen keinen Tropfen Wasser zu schlucken, denn die darin enthaltenen Krankheitserreger hätten jeden Apotheker das Fürchten gelehrt.

Dummerweise verlor ich, als ich in der Nähe eines Bestattungsinstituts etwas zu knapp um die Kurve bog, das Gleichgewicht, und fiel aus dem schmalen Sampan-Boot, das ich steuerte. Ich presste krampfhaft die Lippen zusammen, während ich unter Wasser war, und versuchte tunlichst, mich von der rotierenden Schiffsschraube fernzuhalten, machte allerdings den Fehler, die Augen zu öffnen und sah, was man in dieser Gegend unter einer „schlichten Bestattung“ versteht.

Dann drehten wir in einer Karateschule in der uralten Stadt Mueang Boran in Changwat Samut Prakan, etwa 30 Kilometer südlich der Hauptstadt. Mit den teils als Miniaturausgabe nachgebauten Kopien der berühmtesten Bauwerke und Tempel von Bangkok ist Mueang Boran eines der größten Freilichtmuseen der Welt. Danach ging es weiter zur Inselgruppe Khow-Phing-Kan in der Bucht von Phangnga, Phuket, wo sich auf einem der kleinen, urwaldartig bewachsenen Kalksteinfelsen, die dort aus dem Wasser ragen, Scaramangas Schlupfwinkel befand.

Damals war die Gegend noch ein unbekanntes, abgelegenes Paradies ohne jegliche Infrastruktur. Ein Team aus Filmarchitekten und Szenenbildnern reiste schon etwas eher an und errichtete ein kleines Fertigteilhaus mit sechs Zimmern für Christopher Lee, Guy Hamilton, Maud Adams, Britt Ekland und meine Wenigkeit.

Jedes Zimmer verfügte über ein Bett, einen Deckenventilator und eine 80 mal 80 Zentimeter große Vertiefung im Boden – eine Stehtoilette samt tropfendem Wasserhahn. Gespült wurde mit einem Eimer. Ich fand das ganz praktisch: Wenn ich morgens für kleine Geheimagenten musste, setzte ich mich einfach auf die Stufen am Rand, um mich währenddessen auch gleich zu waschen und zu rasieren. Cubby sagte gar: „Gib mir einen Besen, dann schiebe ich mir den Stiel in den Allerwertesten und fege auch gleich noch das Zimmer.“

Mittlerweile reiht sich in der Bucht ein Souvenirladen an den anderen, und es wimmelt vor Touristen, die die etwa 90 Kilometer lange Busfahrt aus Phuket City und eine kurze Bootsfahrt auf sich nehmen, um die „James-Bond-Insel“, wie sie heute genannt wird, zu besichtigen.

Gute und schlechte Erfahrungen

Die Insel Sardinien, auf der die Dreharbeiten zu Der Spion, der mich liebte begannen, wurde zu einer meiner absoluten Lieblings-Locations, was unter anderem auf das Luxushotel Cala di Volpe zurückzuführen war, in dem 007 und Anya im Film absteigen. Im traumhaft blauen Meer draußen vor meinem Fenster lernte ich, wie man ein „Wet bike“ (heutzutage heißen die Dinger „Jetski“) fährt. Über solche Arbeitsbedingungen kann man sich wirklich nicht beklagen.
Danach brachen wir auf nach Kairo, wo wir an meinem Geburtstag eintrafen. Als ich mittags am Set ankam, erblickte ich dort zu meiner Verwunderung mehrere große Zelte. George Crawford, unser Catering Manager, kam breit lächelnd auf mich zu und sagte, er habe mir zu Ehren ein Geburtstagsessen organisiert – einschließlich Hummer für alle. Beim Anblick der grünen Krustentiere, die sich bewegten, obwohl sie seit sechs Wochen tot waren, kam ich zu dem Schluss, dass das Geburtstagskind wohl besser auf seinen Hummer verzichten sollte, wenn es auch den nächsten Geburtstag noch erleben wollte.
Von Kairo ging es weiter nach Luxor. Wir wohnten im einzigen größeren Hotel der Stadt, das eine ziemlich miese Absteige war. Offenbar blieben die Gäste normalerweise nur jeweils eine Nacht dort, um die Tempel von Karnak zu besichtigen, denn in den zwei Wochen, die wir dort verbrachten, setzte man uns Abend für Abend dasselbe undefinierbare Gericht vor. Es sah aus wie Kamelhoden auf einem Brötchen, und genau so schmeckte es auch.
Ich freute mich unbändig, als Regisseur Lewis Gilbert verkündete, wir könnten am Abreisetag eine der ersten Maschinen nach Kairo nehmen und dort einen vierstündigen Zwischenstopp einlegen, ehe unser Flug nach London ging. Auch Cubby strahlte, als er das hörte. „Wir könnten ins Shepherd’s Hotel fahren und uns ein Essen mit allen Schikanen gönnen“, sagte er begeistert.
Doch die Zollbeamten am Flughafen von Kairo, die nicht ahnten, wie ausgehungert wir waren, sagten, Durchreisende dürften das Flughafengelände nicht verlassen. Immerhin hatten sie zwei Zimmer für uns vorbereitet, damit wir uns ein wenig ausruhen konnten. Ich teilte mir eines mit Cubby, Lewis nahm das daneben. Kaum waren wir eingetreten, entledigte sich Cubby auch schon seiner Hose, worauf ich Gilbert durch die Wand hindurch „Lewis, ich habe die Rolle!“ zurief.

In schwindelerregenden Höhen …

Für Moonraker kehrten wir den Pinewood Studios den Rücken. Die Dreharbeiten in Paris waren wegen der zivilisierten französischen Arbeitszeiten (insbesondere der ausgedehnten Mittagspausen) und der tollen französischen Architektur die reinste Freude, getrübt nur durch die Tatsache, dass wir ständig zwischen drei verschiedenen Studios in der Stadt hin und her fahren mussten.
Danach hieß es auf nach Venedig, wo wir im wunderbaren Hotel Danieli abstiegen (wobei ich persönlich ja das Gritti Palace vorziehe). Hier, zwischen den 118 Inseln der Stadt, entstanden die Actionszenen. Der Kampf zwischen 007 und Chang im venezianischen Glasmuseum wurde im Studio in Boulogne-Billancourt realisiert, in einem Gebäude, das der deutschen Luftwaffe während der Besetzung im Zweiten Weltkrieg als Fabrik diente. Mit den riesigen Mengen an Effektglas, die wir in dieser einen Sequenz verwendet haben, wurde sogar ein Rekord aufgestellt, der bis heute ungebrochen ist.
Weihnachten verbrachten wir mit unseren Familien in Paris, dann stiegen Crew und Schauspieler in eine Concorde nach Rio de Janeiro, während ich leider noch einige Tage in einem Pariser Krankenhaus verbrachte, um mir ein paar Nierensteine entfernen zu lassen. In Rio angekommen, wurde ich sofort geschminkt und frisiert und wieder ins Flugzeug verfrachtet, um die Szene zu drehen, in der 007 in Rio eintrifft.
In Rio absolvierten Paul Weston und Dickie Graydon als Doubles für 007 und den Beißer einen ihrer gefährlichsten Stunts: In 600 Metern Höhe turnten sie auf den Dächern der Seilbahnkabinen herum, mit denen man auf den Zuckerhut gelangt.
Zu einem Besuch in Rio gehört unweigerlich auch der Karneval. Die entsprechenden Szenen wurden mit 700 Statisten nachgestellt und mit denen zusammengeschnitten, die das zweite Kamerateam bereits im Sommer davor gefilmt hatte.
Dann reisten wir ins Landesinnere, zu den Iguassu-Falls, den zweitgrößten Wasserfällen der Welt. Was uns dort erwartete, waren die wohl die schwierigsten Drehbedingungen, unter denen ich je gearbeitet habe. Das gesamte Equipment musste getragen werden, eine andere Transportmöglichkeit gab es nicht, zudem war im obersten Teil der Wasserfälle die Sicht wegen des Sprühnebels oft denkbar schlecht. Lewis meinte, ich solle einer der vielen jungen Frauen, die Hugo Drax stets um sich scharte, zum Eingang seines Verstecks oberhalb der Wasserfälle folgen. Als ich mit dem betreffenden Mädchen redete, stellte ich zu meinem Entsetzen fest, dass die Gute ganz schrecklich schielte. Während wir uns unterhielten, starrte sie die ganze Zeit links an mir vorbei, und ihr Blick driftete immer noch weiter ab! Und diesem Mädchen sollte ich am Rand eines senkrechten Abhangs entlang nachgehen? „Keine Sorge“, beruhigte mich Lewis, als ich ihm gegenüber meine diesbezüglichen Zweifel äußerte, „wir binden dir ein Seil um die Knöchel.“
Die Szene, in der das Rennboot mit dem Beißer über die Wasserfälle hinausschießt, musste nach mehreren gescheiterten Versuchen schlussendlich im Studio mit Miniaturen nachgestellt werden, weil Wetter und Sprühnebel die Dreharbeiten immer wieder behinderten.
Zu guter Letzt bricht 007 in Moonraker auch noch in die unendlichen Weiten des Weltalls auf, aber ich an Ihrer Stelle würde mir den Weg dorthin sparen. Die Hotels waren grauenhaft.

… und etwas bodenständiger

Verglichen mit der Szenerie von Rio oder Venedig wirkten die auf dem Gelände der Beckton-Gaswerke und auf dem Friedhof von Stoke Poges in der Nähe von Slough gedrehten Anfangssequenzen von In tödlicher Mission nicht ganz so glamourös. Das Beckton-Gelände diente übrigens auch als vietnamesischer Schauplatz für Stanley Kubriks Full Metal Jacket. Dass mein unerschrockenes Stunt-Double Martin Grace dort auf einem fliegenden Hubschrauber herumturnt, ist allerdings nicht auf den Krieg zurückzuführen, sondern auf einen durchgeknallten Glatzkopf mit einem Faible für weiße Miezekätzchen.
Danach ging es zum Glück weiter nach Korfu und nach Cortina d’Ampezzo, wo wir die Skiszenen filmten. Dummerweise war der Schnee ausgeblieben und musste erst herbeigeschafft werden. Griechenland war zwar eine Spur exotischer als Beckton, dafür stießen wir dort auf unerwartete Probleme.
Das Finale des Films spielte in einem der Felsenklöster von Meteora, zwei Kilometer nördlich des Dorfes Kalambaka in der Region Thessalien. Agia Triada wurde im vierzehnten Jahrhundert während der serbisch-byzantinischen Kriege erbaut. Es befindet sich wie die anderen dreiundzwanzig Klöster in dieser Gegend an einer unzugänglichen Stelle hoch oben auf einem Felsen und war lange nur über eine Leiter zu erreichen, die zu Verteidigungszwecken entfernt werden konnte.
Man hatte zwar im Vorfeld eine Drehgenehmigung eingeholt, den Mönchen jedoch offenbar verschwiegen, dass es sich um einen James-Bond-Film handelte. Als ihnen klar wurde, dass ein skrupelloser Schürzenjäger und Spieler bei ihnen ein und ausgehen würde, hängten sie aus Protest Wäsche, Kutten und große Kunststoffplanen auf den Dächern auf. Das war nun nicht die malerische Kulisse, die unserem Kameramann vorgeschwebt hatte.
Ich versuchte, sie umzustimmen, indem ich erzählte, dass ich in Simon Templar schon mal einen Heiligen gemimt hatte, was sie jedoch nicht sonderlich beeindruckte. Schließlich intervenierte Cubby, und mit einer großzügigen Spende gelang es ihm, ihre Bedenken zu zerstreuen.
Inzwischen kann man das Kloster besichtigen, sofern man schwindelfrei und züchtig gekleidet ist – aber keine Sorge, kann die entsprechende Kleidung kann man sich vor Ort gegen eine Gebühr ausleihen. Diese geschäftstüchtigen Mönche denken wirklich an alles.
Als nächstes stand Cortina auf dem Drehplan – auch ein interessanter Schauplatz, auf den die Wahl vor allem deshalb gefallen war, weil dort angeblich stets massenhaft Schnee liegt. Nur als wir kamen, war leider alles grün. Unser Aufenthalt gestaltete sich trotzdem sehr angenehm. Wir drehten im Miramonti Majestic Hotel, wo Bond im fiktiven Zimmer Nummer 300 untergebracht war. Der Balkon, auf dem er zu sehen ist, existiert aber tatsächlich und gehört zu Zimmer 108.

Wenn Sie Kuba kennen würden …

Die Dreharbeiten zu Octopussy, die am zehnten August 1982 am Checkpoint Charlie in Westberlin begannen, bereiteten mir großen Spaß. Damals stand die Berliner Mauer noch, und von politischem Tauwetter war nichts zu spüren. In der Szene fahren Bond und M auf die Grenze zu; M steigt aus, Bond fährt weiter Richtung Ostberlin. In Wirklichkeit war das natürlich nicht möglich, also fuhr der Wagen einfach ein paar Meter ins Niemandsland zwischen den Grenzen, ehe John Glen „Cut!“ rief. Dann kehrten wir blitzschnell um und fuhren zurück, ehe die ostdeutschen Grenzsoldaten reagieren konnten.
Nach sechs Tagen in Berlin ging es wieder nach Großbritannien, wo wir außer in den Pinewood Studios unter anderem in Wansford in der Grafschaft Cambridge, genauer gesagt, auf dem Gelände der Nene Valley Railway drehten. Auf dieser knapp zehn Kilometer langen Strecke entstanden die meisten der Eisenbahn-Sequenzen, unter andrem die, in der sich 007 General Orlow zu erkennen gibt. Zwölf Jahre später filmte Regisseur Martin Campbell hier für GoldenEye die Kollision des Zuges mit dem Panzer in Russland.
Der Stützpunkt der Royal Airforce in Upper Heyford (Grafschaft Oxford) diente als die Westdeutsche Luftwaffenbasis, auf der Octopussys riesiger Zirkus seine Zelte aufschlägt, und auf dem RAF-Gelände in Northolt wurden wie bereits erwähnt die Szenen in Kuba gedreht, nachdem man da und dort ein paar Palmen platziert hatte.
Als nächstes begaben wir uns nach Indien, genauer gesagt, nach Udaipur, in die Stadt der Sonnenuntergänge. Dort befindet sich, verteilt auf vier Inseln im Pichola-See, das aus Marmor erbaute Lake Palace Hotel, Octopussys schwimmender Palast. Das Interieur und die Innenhöfe des Palasts wurden in Pinewood nachgebaut, sehr zur Erleichterung von Crew und Schauspielern, die alle unter dem subtropischen Klima litten. Ich brauchte quasi für jeden Take ein frisches Hemd und ein frisches Sakko, denn Sie wissen ja: Ein James Bond schwitzt nicht. Sowohl Maske als auch Garderobe vollbrachten wahre Wunder, um sicherzustellen, dass 007 bei Temperaturen zwischen 48 und 65 Grad Celsius stets cool und gelassen wirkte.
Für das obligatorische Foto am Pool im nahegelegenen Shiv Niwas Palace wurde ein Team von Mannequins aus England eingeflogen.

Als bekannt wurde, dass wir auf der Suche nach ein paar Statisten waren, wurden wir förmlich überrannt. Tausende
Menschen kamen, viele von ihnen machten sich erst gegen Bezahlung wieder vom Acker. Von da an tauchten Tag für Tag hunderte Schaulustige auf. Es war eine richtige Herausforderung, die Massen bei den Stunt- und Actionszenen zu kontrollieren, und es gelang nicht immer – der Radfahrer, der während des Tuk-Tuk-Kampfs kurz zwischen die Fronten gerät, war gar nicht eingeplant gewesen, sondern einfach so durchs Bild gefahren.
Der letzte Drehort in Indien war der prächtige Monsoon Palace, der auf einer Erhebung über Udaipur aufragt. Hier regierte der schurkische Kamal Khan.
Während wir in Udaipur waren, lief übrigens im größten Kino der Stadt zum allerersten Mal ein englischer Film, nämlich Moonraker. Die Leute haben Geschmack!

Eine entgegenkommende Bürgermeisterin

Die Dreharbeiten zu Im Angesicht des Todes waren weniger anstrengend, denn statt nach Indien oder Thailand führten sie uns nach Paris, Chantilly und natürlich nach San Francisco. Es war herrlich, abends nach getaner Arbeit in ein schönes Restaurant zu gehen und in angenehmer Umgebung zu essen, ohne sich den Kopf darüber zerbrechen zu müssen, was da wohl vor uns auf dem Teller lag.
Die Anfangsszenen in Island wurden vom zweiten Kamerateam gefilmt, und anschließend wurden die Szenen, die ich inzwischen in Pinewood gedreht hatte, hineingeschnitten. Dann ging es nach Royal Ascot und von dort weiter ins Amberley Chalk Pits Museum in West Sussex und nach Staines, wo die in Kalifornien spielenden Szenen realisiert wurden, etwa die, in der Bond und Stacey Zorins Mine betreten.
Nachdem wir San Francisco zur Filmlocation auserkoren hatten, sprach Cubby Broccoli wegen der erforderlichen Genehmigungen bei Diane Feinstein, der damaligen Bürgermeisterin vor. Er erklärte ihr, dass wir das Rathaus in Brand stecken, in den Straßen von San Francisco eine Verfolgungsjagd mit einem Feuerwehrauto veranstalten und zur Krönung auf der Golden Gate Bridge filmen wollten.
Die Antwort fiel zunächst nicht gerade vielversprechend aus.
Dann fragte Bürgermeisterin Feinstein: „Wer spielt James Bond?“
„Roger Moore.“
„Ah, Roger Moore. Den mag ich“, sagte sie. „Wie kann ich Ihnen helfen, Mr Broccoli?“
Sie stellte nur eine Bedingung: keine erbitterten Kampfszenen auf der Golden Gate Bridge, maximal ein bisschen Gerangel. Die Stunts auf der Brücke absolvierte der furchtlose Martin Grace, nachdem er zuvor – am Ankertau eines Zeppelins baumelnd – quer über den Hafen geflogen war. Der Rest der letzten Auseinandersetzung entstand auf dem Gelände der Pinewood Studios, wo man für die Nahaufnahmen einen Teil der Brücke nachgebaut hatte. Dort durfte ich dann herumturnen und die Lorbeeren einheimsen.
Doch wir strebten nach noch Höherem: In Paris sollte B.J. Worth filmen, wie sich Grace Jones alias May Day auf der Flucht vor 007 mit einem Fallschirm vom Eiffelturm stürzt. Seltsamerweise erhielten wir zwar eine Genehmigung für den Absprung, doch die Landung sollte auf einem Schiff auf der Seine erfolgen, für das eine andere Behörde zuständig war, und die sträubte sich zunächst. May Day durfte also springen, aber nicht landen … Aber auch für dieses Problem fand sich schließlich eine Lösung.

Pinewood – Home sweet home

Zu guter Letzt muss ich natürlich auch die Heimat von James Bond, die Pinewood Studios erwähnen, wo ich – von Moonraker einmal abgesehen – für alle meine Filme gedreht und mich immer sehr wohl gefühlt habe. Ich hatte jahrelang ein Büro direkt neben dem von Cubby Broccoli, und ich finde, wir waren gute Nachbarn. Inzwischen haben seine Tochter Barbara und sein Stiefsohn Michael sein Büro übernommen und führen die Tradition fort. In zahlreichen Bond-Filmen kommen Teile des Studiogeländes vor – etwa der Park am Anfang von Liebesgrüße aus Moskau oder eine als Pinewood Pond Grotto bekannte Felsenhöhle, die dem russischen Terroristen Renard in Die Welt ist nicht genug als Behausung dient. Hier wurden die Szenen in und um Goldfingers Fabrik realisiert, hier stand der Eispalast aus Stirb an einem anderen Tag, und den riesigen künstlichen Vulkan aus Man lebt nur zweimal, der neben der 007-Halle aufragte, konnte man schon von weitem sehen. Pinewood und Bond gehören einfach zusammen, und so wird es hoffentlich noch viele Jahre bleiben.
Seit ich meinen Job als 007 an den Nagel gehängt habe, verschlug es James Bond an alle möglichen interessanten Schauplätze außerhalb des Studiogeländes, insbesondere hinter den Eisernen Vorhang und in den Ostblock. Wohin wird er sich wohl als nächstes begeben? Gerüchten zufolge sollten ihn seine Abenteuer in Skyfall erneut nach Indien führen, doch dann entschied man sich stattdessen für die Türkei, weil die Actionszenen dort besser realisiert werden konnten. Auch von Südafrika und China war häufig die Rede. Eines steht jedenfalls fest: Wenn irgendwo auf dieser Welt das Telefon klingelt und am anderen Ende der Leitung jemand sagt: „Hier Eon Productions, wir würden gern den nächsten Bond-Film in Ihrem Land drehen“, wird man die Crew garantiert mit offenen Armen empfangen.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags