Wirklich übersetzen heißt: etwas, das in

einer anderen Sprache gesprochen

ist, seiner Sprache anpassen.

Martin Luther

 

 

Leseprobe

 

aus: Hotel Bolivia von Leo Spitzer (Picus, 2003)

"Der Mond schien uns realer ... "

Vor der Auswanderung war Bolivien für meine Eltern, genau wie für viele andere Flüchtlinge aus Mitteleuropa, nicht viel mehr als ein Fleck auf der Landkarte Südamerikas gewesen. Sie wussten so gut wie gar nichts über geographische oder klimatische Gegebenheiten und noch weniger über die Geschichte sowie die politische oder wirtschaftliche Lage des Landes. In Anbetracht ihrer prekären Situation, ihrer verzweifelten Suche nach einem Aufnahmeland, wären sie überall hin emigriert, solange sie dort nur in Sicherheit leben konnten. „Bolivien – wo war das noch schnell?“, so die Reaktion von Egon Schwarz, als er mit der Unterstützung des Hilfsvereins vom Konsulat in Paris sein Visum erhalten hatte. „Wir wären auch auf den Mond ausgewandert,“ erinnerte sich Andres Simon, ein anderer Flüchtling, und Renata Schwarz erzählte mir: „Bolivien war natürlich die naheliegendere Option, doch den Mond sahen wir jede Nacht. Er schien uns realer, greifbarer. Ich wusste damals über Bolivien ungefähr so gut Bescheid wie ihr heute über den Nordpol. Wahrscheinlich wisst ihr über den Nordpol sogar mehr.“

Das Wissen der Flüchtlinge über die Einheimischen ihres Asyllands war äußerst kärglich und bestand zum Großteil aus Stereotypen. Den ersten Kontakt zu einem „echten“ Bolivianer hatte mein Vater, wie so viele andere, im bolivianischen Konsulat in München, wo man ihm die vier Visa ausstellte, mit denen er selbst, seine Eltern und meine Mutter Österreich verlassen konnten. Viele, wahrscheinlich sogar die Mehrheit der Auswanderer, hatten vom kulturellen und ethnischen Milieu ihrer künftigen Heimat nur ein denkbar unklares, impressionistisch angehauchtes Bild. Im Großen und Ganzen assoziierten sie mit den Bolivianern so allgemeine Attribute wie „spanischsprachig“, „katholisch“ oder „indianisch“ – Kategorisierungen, die keineswegs ausreichten, um die Immigranten auf die enorme kulturelle Vielfalt und die gesellschaftlichen Unterschiede vorzubereiten, die sie im Aufnahmeland erwarteten. Ihr Vorwissen über Bolivien und seine Bewohner basierte auf Informationen aus mehr oder weniger verlässlichen Quellen, etwa Illustrationen und Beschreibungen in diversen Reiseberichten, die in den 1920er Jahren in Deutschland weit verbreitet waren und so faszinierende Titel wie Im dunkelsten Bolivien und Vom Urwald zu den Gletschern der Kordillere hatten. Es stammte zum Teil sogar noch aus der Schulzeit, aus längst vergangenen, halb vergessenen Geographie- und Weltkundestunden. Etwas aktuellere, aber nicht unbedingt verlässlichere Informationen, oft aus zweiter oder sogar dritter Hand, vermittelten Briefe von Flüchtlingen, die sich bereits in Bolivien befanden. Häufig wurde erst nach Erhalt des Visums in Enzyklopädien und Atlanten nachgeschlagen, oder auch in einem vom jüdischen Hilfsverein in Berlin speziell ausgearbeiteten Informationsblatt mit dem Titel „Jüdische Auswanderung nach Südamerika“, nachgelesen, in dem Bolivien wie folgt beschrieben wurde:

BOLIVIEN
Bolivien ist eines der ärmsten, wirtschaftlich wenig entwickelten, lange Zeit auch politisch wenig stabilen südamerikanischen Länder. Die wirtschaftliche Bedeutung des Landes liegt ganz überwiegend in seinem Reichtum an wertvollen Mineralien, vor allem an Zinn. Möglichkeiten zur beruflichen Eingliederung bestehen daher vor allem für Techniker, Chemiker und andere im Bergbau verwendbare Menschen; ferner für Handwerker und Landwirte.

Nur verhältnismäßig wenige jüdische Einwanderer aus Deutschland sind bisher in das Land gelangt. Wegen der großen Höhenlage sind die wichtigsten Landesteile nur für Menschen mit sehr elastischem, starkem Herzen und gesunder Lunge zuträglich ...

Bolivien ist das Land mit dem höchsten Prozentsatz reinrassiger indianischer Urbevölkerung. Indianer und Mischlinge leben im Zustande primitiver Kulturlosigkeit.

Geprägt wurde das Bild von Bolivien und seinen Bewohnern auch durch eine ganze Reihe populärer, hochgradig romantisierter Abenteuerromane, in denen Besonderheiten und kulturelle Vielfalt stark vereinfacht und verzerrt und Land und Leute als exotisch, primitiv und mysteriös bis furchteinflößend dargestellt wurden. Werner Guttentag zum Beispiel, der 1939 aus Deutschland emigrierte und über Holland nach Bolivien gelangt war, hatte vor seiner Abreise beschlossen, sich in Cochabamba niederzulassen (wo er übrigens noch heute lebt), aus dem einfachen Grund, weil er aus der Landkarte von Bolivien ersehen konnte, dass diese Stadt sich durch eine relativ zentrale Lage auszeichnete. Auch Guttentag gibt übrigens an, er habe die Landkarte erst zur Hand genommen, als seine Eltern und er bereits eine Einreisegenehmigung für Bolivien erhalten hatten. Wie bei Heinz Markstein, Egon Taus, Julius Meier und vielen anderen jungen Einwanderern waren seine Vorstellungen von Bolivien geprägt von den Romanen Das Vermächtnis des Inka und In den Cordilleren, beide aus der Feder Karl Mays. Interessanterweise hat Karl May vor Beendigung seiner Schriftstellerkarriere nie auch nur einen Fuß auf den nordamerikanischen Kontinent gesetzt, und er hat sein Lebtag lang kein einziges südamerikanisches Land besucht. Seine völlig authentisch anmutenden farbenfrohen ethnographischen Darstellungen der indigenen Bevölkerung und ihrer Lebensweise waren reine Erfindungen, samt und sonders ein Produkt seiner Fantasie und Kreativität. Trotzdem förderten sie bei den mitteleuropäischen Lesern die Entstehung und Vertiefung von Stereotypen über die Andersartigkeit der indianisch-stämmigen Einwohner Amerikas. Nach der Lektüre dieser Romane war man laut Guttentag der festen Überzeugung, dass ihre glorreichen Zeiten der Vergangenheit angehörten, dass die Zivilisation spurlos an ihnen vorüber gegangen sei und man sie einer von insgesamt drei Kategorien zuordnen konnte: Sie galten entweder als wild, rückständig oder edel. Flüchtlinge, die sich in ihren Ansichten über indigene Völker an diesen spannenden Romanen orientierten, hätten es wahrscheinlich als Ironie empfunden, hätten sie gewusst, dass Karl Mays Werke auch zur Lieblingsliteratur des jungen Adolf Hitler gehört hatten, ja, dass man May, so Kulturkritiker Klaus Mann, sogar als den "literarischen Mentor Adolf Hitlers" bezeichnen könnte.

„SO FREMD, SO UNBEGREIFLICH FREMD...“

Heinz Pinshower:

Wir hatten nicht die leiseste Ahnung, was uns erwartete. Wir wussten nichts über die Menschen oder über ihre Bräuche und Traditionen. Wir hätten nicht gedacht, dass uns die Höhe derart zu schaffen machen würde. Auf der Zugfahrt von Arica nach La Paz bluteten die Leute aus Nase und Ohren, einige husteten sogar Blut.

Hanni Pinshower:

Die Indios: So etwas hatten wir noch nie gesehen. Bereits im Zug nach La Paz, an den Bahnhöfen, eine echte Neuheit – wir starrten sie an und sie uns.

Renata Schwarz:

Was mir an La Paz sofort auffiel, war der Gestank – ein furchtbarer erster Eindruck. Die Straßen stanken ganz erbärmlich. Die Indios urinierten und defäkierten ungeniert auf der Straße, die Frauen hockten sich einfach mitten auf der Straße hin, hoben ihre Röcke und verrichteten ihr Geschäft. Es gab keine öffentlichen sanitären Einrichtungen. Und sie trieben ihre Lamaherden durch die Straßen, und die Lamas spuckten und hinterließen ihre kleinen Spuren. Die Indio-Frauen trugen mehrere Röcke übereinander und bunte Umhänge. Sie waren zuweilen zwar schön gekleidet, ja sogar reich gekleidet, mit goldenen oder silbernen Anstecknadeln und Goldohrringen. Doch sie waren unkultiviert. Unzivilisiert.

Werner Guttentag:

Mir fiel auf, dass ich mich in einem schwarzen Land befand. Das soll nicht heißen, dass die Menschen selbst Schwarze waren, es waren nur so viele von ihnen schwarz oder dunkel gekleidet. Erst viel später fand ich heraus, dass sie Trauer trugen, die Toten betrauerten, die im brutalen Chaco-Krieg zwischen Bolivien und Paraguay gefallen waren.

Egon Schwarz:

Musik ... die Geräusche der nie gehörten, unendlich melancholischen Indianermusik, die zuerst monoton bis zur Enervierung wirkt, die man aber niemals mehr aus dem Organismus verliert, wenn man sie ein paar Monate hindurch Nacht für Nacht gehört hat ... Fast nichts ist, wie man es kennt, weder in der Gesellschaft, noch in der Natur. Wer mitteleuropäische Maßstäbe an das Gesehene, Erlebte anlegt, wird es nie verstehen.

Erinnerten sich diese oder andere Flüchtlinge später an ihre erste Reaktion bei ihrer Ankunft in Bolivien, so fiel ihnen auf, wie wenig tröstlich oder hilfreich mitteleuropäisches Hintergrundwissen und Erfahrungen aus der Vergangenheit bei der Eingewöhnung und Integration waren. Weder in den Städten noch auf dem Land erinnerte irgendetwas in ihrer neuen Heimat auch nur im Entferntesten an die alte. Vielen, die durch Chile ins Binnenland Bolivien gelangten, prägten sich die Eindrücke dieser zweitägigen Zugfahrt, angefangen vom ersten kurzen Halt in der chilenischen Hafenstadt Arica, über mehr als 4.000 Höhenmeter quer durch die Cordillera Occidental, das westliche Andenmassiv, unauslöschlich ein. Zum ersten Mal spürten und realisierten sie nun auch physisch, wie weit sie tatsächlich von Europa entfernt waren.

Julius Wolfinger:

Es war zu Weihnachten 1939, als mein Schiff vor der chilenischen Küste ankerte und Hunderte von uns in kleineren Booten nach Arica gebracht wurden. In Arica war es trocken, heiß und sandig wie in der Wüste. Es schien uns sehr befremdlich. Jemand vom Hilfsverband für jüdische Einwanderer, selbst ein Flüchtling, holte uns ab. Man hatte ihn aus Bolivien geschickt, um unseren Transport zu organisieren. Weil wir so viele waren, half er uns, Unterkünfte in verschiedenen Hotels und residencias zu finden. Über die ganze Stadt verteilt mussten wir mehrere Tage auf die Ankunft des nächsten Zuges aus La Paz warten. Die Züge gingen üblicherweise nur zwei Mal pro Woche, doch unser Zug war verspätet, weil durch einen Murenabgang die Geleise verschüttet worden waren.

Seltsamerweise erinnere ich mich, wenn ich an Arica denke, vor allem an die Wanzen im Bett meines Hotelzimmers, Wanzen, die mich gebissen haben. Daran erinnere ich mich besser als an Arica selbst. Ich weiß nicht mehr genau, wie die Stadt oder ihre Bewohner aussahen ...

Der Zug war völlig überfüllt mit Flüchtlingen und Gepäck. Ich hatte keinen Schlafwagen, also verbrachte ich die ganze Zugfahrt sitzend, meist im Speisewagen, und sah aus dem Fenster. Ich glaube, der Zug wurde von mindestens zwei Dampflokomotiven gezogen, vielleicht war auch eine vorn und die andere schob von hinten. Schon bald nach unserer Abfahrt ging es immer höher und höher hinauf, einen ganzen Tag lang, bis wir Charaña, die Grenze zwischen Chile und Bolivien, erreichten. Dort hielt der Zug über Nacht. Ich entsinne mich, dass es sehr kalt war, und dass ich keine warme Kleidung besaß. Einige der Fahrgäste, die keinen Schlafwagen hatten, stiegen aus und machten sich auf die Suche nach einem Hotel. Es gab jedoch keines, weshalb wir in einer Kirche schliefen.
Als wir am nächsten Morgen wieder in den Zug stiegen und weiterfuhren, wurde uns allen übel. Ich saß im Speisewagen und fühlte mich elendig schwach, doch ich sah weiter aus dem Fenster, betrachtete die wilde, harsche Landschaft. In der Ferne sah ich die ersten Lamas und Alpakas, nur wusste ich damals noch nicht, wie man diese Tiere nennt. Ich war in meinem ganzen Leben noch nie in solchen Höhenlagen gewesen, ich konnte kaum atmen und fühlte mich unglaublich elend.
Ich hatte den Kopf auf den Tisch gelegt und die Augen geschlossen, als ich in Viacha, auf dem Altiplano, wo der Zug stehen blieb, plötzlich jemanden in den Speisewagen kommen und "Julius! Julius!" rufen hörte. Und als ich aufsah, standen meine beiden Schwestern und mein Schwager vor mir! Sie waren mit dem Taxi aus La Paz gekommen, um mich abzuholen. Wir hatten uns zuletzt vor eineinhalb Jahren in Wien gesehen.

Und als wir dann in der Abenddämmerung den Altiplano entlang fuhren, erblickte ich unter uns ausgebreitet die glitzernden gelben und weißen Lichter von La Paz – ein unvergesslicher Anblick – und vor uns in der Ferne den Illimani. Wir befanden uns über der Stadt und fuhren abwärts, wie in einen Kessel hinein. Es war atemberaubend.

Allerdings hatte die spektakuläre landschaftliche Schönheit auch ihre Schattenseiten.
Für die Neuankömmlinge stellten die rauen Umweltbedingungen bereits die ersten Hindernisse bei der Eingewöhnung dar. Kaum auf dem Altiplano angelangt, und auch noch nach ihrer Ankunft in La Paz, machte den meisten die soroche, die Höhenkrankheit, arg zu schaffen; sie litten unter Atemnot, Schlaflosigkeit und Schmerzen in Kopf und Brust, wie Julius es beschrieben hatte. Für Herz- oder Lungenkranke erwies sich die Höhenlage als völlig unerträglich. Doch auch im semitropischen und tropischen Tiefland, wo Temperatur und Luftfeuchtigkeit höher waren, lauerten gesundheitliche Risiken: Krankheitserreger, die es aufgrund der anderen klimatischen Bedingungen in der früheren Heimat nicht gegeben hatte, für die das Immunsystem nicht gerüstet war und gegen die es daher keinen Schutz bot. Abgesehen davon erschwerte ganz grundsätzlich die völlige Unbekanntheit der neuen Umgebung die Eingewöhnung, da sie den Immigranten das Gefühl gab, wahrlich Fremde in einem fremden Land zu sein. Die indigene Bevölkerung sah anders aus, kleidete sich anders, ernährte sich anders und hatte andere Bräuche, Feste und Traditionen. Die Menschen kommunizierten in Sprachen, die keiner der Einwanderer je zuvor gehört hatte, ihre Mentalität und ihr Weltbild schienen völlig unergründlich.

Juli 1941 in Cochabamba. Dr. Heinrich Stern, fast sechzig Jahre zuvor im deutschen Nordhausen am Harz geboren und erst kürzlich in Bolivien eingetroffen, hält seine Gedanken und Reflektionen schriftlich fest:

Steinig und rauh, steil und einsam war der Weg. Nun sitze ich auf einem Stein und sende meine Blicke in die Runde. Stachliges Buschwerk, Gestrüpp, hohe Kakteen, Steine und wieder Steine. Fern zwei, drei elende Hütten; Berge rings, riesige zerfruchte Berge. Die Sonne geht unter; ihre Strahlen lassen magisch die Gipfel erglühen. Einsamkeit, ungeheure Einsamkeit; und Fremdartigkeit. Weit hinten wandern ein paar Frauen bergauf, in braunrote Tücher gehüllt. Ihr Anblick erhöht den Eindruck der Einsamkeit, der Verlassenheit. Indianerlandschaft! Meine neue Heimat! Ist das meine neue Heimat?
Schwere Gedanken wälzen sich durchs Hirn. Sie peinigen mich, sie klopfen und stechen wider die Stirn. Sie kreisen um den Horizont und wollen die Bergwand durchstoßen; und suchen und fragen. Der Himmel über mir, ist es nicht der Himmel der alten Heimat? Nein, er erscheint mir – oder rede ich mir es nur ein? – greller, giftiger. Bloß die Wolken lächeln mir befreundet, Boten aus anderen Gefilden. Aber feinselig bleibt die Erde. Eine Landschaft der Wilden, -- Indianerlandschaft. Gigantisch, fremd, trüb und einsam.

Es fällt nicht schwer, in diesen Zeilen die emotionale Sprache und Poesie der Romantik – Herder, den jungen Goethe, sogar Wordsworth’s „spontanen Überschwang der Gefühle“ – auszumachen. Der Einzelne, in diesem Fall Dr. Stern, sitzt in der Abenddämmerung auf einer Anhöhe und lauscht in sich hinein, analysiert seine Gefühle in Anbetracht der ihn umgebenden Landschaft und Naturgewalten und versucht, sie in Einklang miteinander zu bringen. Stern war herangewachsen in einem kulturellen Milieu, in dem die Musik und Literatur der Romantik ein wichtiger Bestandteil der Schulbildung und des gesamten gesellschaftlichen Lebens war. Seine Generation war geprägt von der Sprache des Herzens, von den subtilen, subjektiven Untertönen des romantischen Kunst- und Kulturbegriffs. Doch aus seiner Reflektion geht hervor, dass die Begegnung mit der bolivianischen Natur für ihn ein abweisendes Erlebnis ist, das ihn melancholisch stimmt. Er hat den Eindruck, es könne für ihn in diesem Land kein romantisches Gleichgewicht zwischen dem Körper des Individuums und der natürlichen Umgebung geben. Er stellt fest, dass er sich in einer fremden Welt befindet, eine Welt, in die er nicht gehört, einer Indianerlandschaft. Einzig die Wolken scheinen ihm vertraut.
Die Anwesenheit der beiden Frauen in ockerroten Umhängen verstärkt und betont noch sein Gefühl der Fremdheit, der kulturellen Entwurzelung und Distanz, er fühlt sich allein und verlassen. Und auch die bedrohliche Landschaft selbst, diese Landschaft der „Unzivilisiertheit“, wie er es nennt, überdacht von einem giftig-grellen Himmelszelt, erscheint ihm abweisend, verstärkt seine Nostalgie, seine Einsamkeit, sein Heimweh, seine Sehnsucht nach der Welt, aus der er vertrieben wurde.

Hier sitze ich gefangen. Länder, Kontinente, ein Weltmeer trennen mich von meiner Heimat. Ich versuche, kühl zu erwägen, dass dort Hass, Grausamkeit und Elend regieren. Doch das Herz besiegt das Gehirn, und das Herz leidet.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags